Warum die meisten Mittelständler beim Skalieren agiler Teams die falsche erste Frage stellen
Frank Deppenmeier via plandoo — September 2026
Ein mittelständischer Softwareanbieter hat aus einem Scrum-Team über zwei Jahre vier gemacht. Jedes Team liefert zuverlässig. Jeder Sprint-Review sieht gut aus. Und trotzdem kommt das Gesamtprodukt kaum voran. Team A wartet auf eine Schnittstelle von Team C. Team B baut ein Feature, das Team D gerade erst verworfen hat. Im Status-Meeting wird dieselbe Abhängigkeit zum dritten Mal neu entdeckt, jedes Mal mit derselben überraschten Miene.
Die naheliegende Reaktion: "Wir brauchen ein Skalierungsframework." Die meistgenannte Antwort im Netz, auf Konferenzen und in LinkedIn-Kommentarspalten: SAFe. Drei Buchstaben, ein Zertifikat, ein Berater, der genau weiß, wie man das macht. Problem gelöst, könnte man meinen.
Ist es aber nicht. Genau an dieser Stelle beginnt für viele Mittelständler der eigentliche Fehler. Nicht bei der Frage, ob man skalieren soll. Sondern bei der Frage, wie viel Rahmenwerk man dafür wirklich braucht.
Stellen Sie sich zwei Ensembles vor. Das erste ist ein Jazzquartett: vier Musiker, die einander beim Spielen ansehen, auf Nicken und Blickkontakt reagieren, ihr Timing über Jahre gemeinsamer Proben verinnerlicht haben. Kein Dirigent steht vor ihnen. Sie brauchen keinen. Das zweite Ensemble ist ein hundertköpfiges Sinfonieorchester: Streicher, Bläser, Schlagwerk, verteilt über eine große Bühne, zu weit auseinander, um sich anzusehen, jeder mit einer eigenen Stimme aus einer Partitur, die Monate vorher komponiert wurde. Ohne Dirigent zerfällt dieses Orchester in akustisches Chaos. Es braucht jemanden vorn, der den Einsatz gibt, das Tempo hält, die Bläser bremst, wenn sie die Streicher übertönen.