Was sich seit 2020 verändert hat (kurze Antwort: fast alles)
Frank Deppenmeier — überarbeitete Fassung, August 2026 (Original: Juni 2020)
Digitale Transformation und gesellschaftliche Veränderungen
Die heutige Zeit ist schnelllebig wie nie zuvor — ein Satz, den vermutlich jede Generation seit Erfindung des Rades über sich selbst gesagt hat, der aber gerade jetzt tatsächlich außergewöhnlich gut zutrifft. Die Herausforderungen werden gern mit dem Akronym „VUCA“ zusammengefasst: Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity. Vier Wörter, die im Grunde bedeuten: Niemand weiß genau, was als Nächstes passiert, aber alle sollen sich bitte trotzdem einen Plan dafür zurechtlegen.
Manche Veränderungen sind so disruptiv, dass sie binnen kürzester Zeit ganze Branchen umkrempeln. Das Lehrbuchbeispiel bleibt Apples iPhone-Einführung 2007: Innerhalb weniger Jahre verschwand der damalige Platzhirsch Nokia fast vollständig von der Bildfläche — ein Tempo, das damals als beispiellos galt. Fünfzehn Jahre später hat sich gezeigt, dass „beispiellos“ auch nur eine Frage der Zeit war: Als OpenAI im November 2022 ChatGPT veröffentlichte, erreichte der Dienst innerhalb von zwei Monaten 100 Millionen Nutzer — schneller als jede Consumer-App zuvor. Binnen eines Jahres hatte praktisch jeder größere Softwareanbieter irgendeine Form von „KI“ in sein Produkt eingebaut, ob es passte oder nicht. Wir kommen später in diesem Artikel ausführlicher darauf zurück, denn dieses Mal betrifft die Disruption nicht nur eine Branche, sondern die Art, wie in Projekten überhaupt gearbeitet wird.
Auch plötzliche Ereignisse spielen eine Rolle. Die Covid19-Pandemie ab 2020 hat gezeigt, dass weltweite Disruptionen mit direktem Einfluss auf Gesellschaft und Wirtschaft jederzeit möglich sind — Regierungen und Organisationen mussten binnen Wochen auf ein Virus reagieren, das noch niemand richtig verstand. Sechs Jahre später lohnt sich der Rückblick: Was damals wie eine einmalige Ausnahmesituation wirkte, hat sich als ziemlich guter Belastungstest für organisationale Anpassungsfähigkeit entpuppt.
Es reicht für Unternehmen längst nicht mehr, die eigenen Kernkompetenzen im Griff zu haben. Neue Technologien entwickeln sich rasant weiter, allen voran generative und zunehmend „agentenbasierte“ KI. Dazu kommen gesellschaftliche Dauerbrenner: Klimawandel, demografischer Wandel, Fachkräftemangel und ein Wertewandel, der gerade jüngere Generationen dazu bringt, Unternehmen andere Fragen zu stellen als früher.